Regionale Ebene
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Wenn eine Einrichtung allein mit der Bewältigung eines größeren Notfalls überfordert ist, kommen an dieser Stelle sogenannte „Notfallverbünde“ zum Einsatz. Bei einem Notfallverbund handelt sich um einen Zusammenschluss mehrerer Kulturgut bewahrender Einrichtungen einer Stadt/eines Kreises, die einander auf der Basis einer Vereinbarung im Notfall mit Materialien und personellen Kapazitäten und auch fachlichem Know-how unterstützen.
Bisher existieren in Rheinland-Pfalz nur drei Notfallverbünde. Eine flächendeckende Versorgung über Notfallverbünde ist somit nicht gegeben. Daher möchten wir Sie bei der Gründung weiterer Verbünde unterstützen.
Eine Übersicht der bestehenden Verbünde bietet die Webseite „Notfallverbund.de“. Eine interaktive Karte ist bei der KEK zu finden.
Die wichtigste Frage für Sie lautet wohl: „Wie gründe ich einen Notfallverbund bzw. werde Teil von einem?“
Die Gründung ist ein längerer und mehrschrittiger Prozess, den wir Ihnen im Folgenden kurz zusammenfassen möchten. Bitte beachten Sie, dass es sich aber auch um einen individuellen Prozess handelt.
Im Anschluss finden Sie eine von uns erstellte Checkliste, an der Sie sich orientieren können.
- Chekliste “Wie gründe ich einen Notfallverbund?”
Anschaulich schildert das Vorgehen bei der Gründung eines Verbundes ein Bericht des Notfallverbunds Leipzig:
- Märker, Almuth. "Themen. Bibliotheken. Die Gründung des Notfallverbunds Leipziger Archive und Bibliotheken" Bibliotheksdienst, vol. 46, no. 7, 2012, pp. 557-569.
- Hinweise für die Praxis bietet auch ein Diskussionspapier der Leopoldina. Bei Unterpunkt 5 (ab S.29) finden Sie einen Fragenkatalog, den Sie als Arbeitshilfe verwenden können.
- Weitere Informationen sind auch in der Handreichung „Notfallmanagement für Archive und Bibliotheken“ ab S. 11 zu finden.
Bevor es zu einer Gründung kommen kann, ist es wichtig Mitstreiter zu finden und das eigene Interesse an dem Vorhaben dem Träger gegenüber zu bekunden. Dies kann im Rahmen einer Absichtserklärung, einem sogenannten „Letter of Intent“, geschehen.
- Was ist ein Letter of Intent?
Interessensbekundung, Mitglied in einem Notfallverbund zu sein - Was ist ein Letter of Intent nicht?
Noch keine Verpflichtung, einen Verbund zu gründen/ein Mitglied eines Verbundes zu werden
Wir stellen Ihnen eine Vorlage für den „Letter of Intent" zur Verfügung sowie eine Argumentationshilfe für die Überzeugung Ihres Trägers.
Um sie bei der Suche von Kooperationspartnern in Ihrer Region zu unterstützen, können Sie Ihren ausgefüllten „Letter of Intent“ an lbe(at)lbz.rlp.de schicken. Wir, die LBE, führen eine Übersicht der uns bekannten Interessenten und können ggf. bei der Koordination helfen.
Dokumente:
- Vorlage „Letter of Intent“ (Word-Datei)
- Argumentationshilfe (pdf-Datei)
Im Gegensatz zum “Letter of Intent” wird es hier nun ernst. Sie haben Kooperationspartner gefunden, es ist nun wichtig, die Rahmenbedingungen der Unterstützung im Notfall festzulegen und sich dazu gemeinsam zu bekennen. Dies geschieht im Rahmen einer Gründungsvereinbarung. Auch in diesem Fall können Sie sich an Mustervereinbarungen bestehender Verbünde orientieren.
Mustervorlage:
Im Optimalfall hat bis zu diesem Punkt alles geklappt und Sie sind Teil eines gegründeten Notfallverbundes. Für den Ernstfall ist es wichtig, dass dieser auch aktiv bleibt und nicht als reine Formalität besteht. In der folgenden Liste finden Sie Hinweise, was für die Aufrechterhaltung eines aktiven Notfallverbundes zu beachten ist.
Checkliste:
Gerade bei der Bewältigung größerer Notfälle ist die Zusammenarbeit mit den Einsatzkräften essenziell. Es ist dabei wichtig, dieselbe Sprache zu sprechen wie die Einsatzkräfte. Als Verbindungsglied zwischen kulturgutbewahrenden Einrichtungen und den Einsatzkräften kommen die Fachberater Kulturgutschutz ins Spiel. Es empfiehlt sich, in jedem Notfallverbund, eine oder mehrere Personen entsprechend auszubilden.
Weiterbildung zum Fachberater Kulturgutschutz: Jahresprogramm des BBK, S. 33
Notfallverbünde in Rheinland-Pfalz
Ziel eines Notfallverbundes ist es, dass die beteiligten Einrichtungen im schwerwiegenden Not- und Katastrophenfall ihre personellen und sachlichen Ressourcen bündeln, um die zum Schutz des Kulturgutes zu leistenden Aufgaben in gegenseitiger Unterstützung zu bewältigen. Neben der Bereitstellung von Hilfskräften wird sich die logistische Hilfe dabei insbesondere auf die Auslagerung geschädigten Kulturgutes in Ausweichquartiere, die Beschaffung benötigter Materialien und gegebenenfalls die Suche und Bereitstellung von geeigneten Kühlflächen konzentrieren.
In Rheinland-Pfalz gibt es, Stand Februar 2026, 3 Notfallverbünde. Ein weiterer Verbund befindet sich in Gründung.
Gründungsjahr: 2013
Art des Verbundes: Städtisch, spartenübergreifend
Leitung/Stellvertretung (Stand Februar 2026:)
- Dr. Armin Schlechter, LBZ / Pfälzische Landesbibliothek, Leitung
- Simone Heimann, Historisches Museum Pfalz Speyer, stellvertr. Leitung
Beteiligte Einrichtungen:
- Bauakten-Archiv der Stadt Speyer
- Bibliothek der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer
- Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars St. German
- Bibliothek des Gymnasiums am Kaiserdom
- Bibliothek und Medienzentrale der Evangelischen Kirche der Pfalz
- Bistumsarchiv Speyer
- Feuerbach Haus
- Historisches Museum der Pfalz
- Landesarchäologie Außenstelle Speyer
- Landesarchiv Speyer
- Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz / Pfälzische Landesbibliothek
- Museum Purrmann Haus
- Stadtarchiv Speyer
- Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz
Besonderheiten:
Bei der Berufsfeuerwehr Speyer ist ein Ausrüstungssatz Kulturgut stationiert, eine Materialsammlung orientiert am Vorbild aus Thüringen.
Die Feuerwehr Speyer hat gemeinsam mit dem Notfallverbund einen Alarm- und Einsatzplan (AEP) für den Kulturgutschutz erarbeitet.
Was ist ein Alam- und Einsatzplan: Allgemeine Erläuterung
Personen mit der Qualifikation „Fachberater Kulturgutschutz“:
- Petra Brickmann, LBZ/Pfälzische Landesbibliothek
- Simone Heimann, Historisches Museum der Pfalz Speyer
- Christine Lincke, Historisches Museum der Pfalz Speyer
- Dr. Armin Schlechter, LBZ/Pfälzische Landesbibliothek
Dokumentation vergangene Übungen (Auswahl):
Gründungsjahr: 2012, erweitert 2025
Art des Verbundes: Städtisch, spartenübergreifend
Leitung/Stellvertretung (Stand Februar 2026:)
- Beate Umann, LBZ/LBE, Leitung
- Dr. Katharina Thielen, StA Koblenz, stellvertr. Leitung
Beteiligte Einrichtungen:
- Bundesarchiv
- Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (mit den Standorten Direktion Landesmuseum Koblenz/ Kulturzentrum Festung Ehrenbreitstein, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz und Direktion Burgen, Schlösser, Altertümer Standort Koblenz)
- Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz / Rheinische Landesbibliothek
- Landeshauptarchiv
- Ludwig Museum im Deutschherrenhaus
- Mittelrhein-Museum Koblenz
- Stadtarchiv Koblenz
- Stadtbibliothek Koblenz
Besonderheiten:
Die Berufsfeuerwehr Koblenz verfügt über eine Materialsammlung zur Erstversorgung im Notfall orientiert am Ausrüstungssatz aus Thüringen.
Dem Bundesarchiv steht ein Anhänger mit Materialien zur Erstversorgung zur Verfügung, orientiert an der Zusammenstellung aus Görlitz.
Personen mit der Qualifikation „Fachberater Kulturgutschutz“:
- Daniel Heimes, LAV
- Björn Hirsch, BF Koblenz
- Arlett Kost-Mahle, LBE
- Anna Meisen, Bundesarchiv
- Beate Umann, LBZ/LBE
Dokumentation vergangene Übungen (Auswahl):
Gründungsjahr: 2016, erweitert 2022
Art des Verbundes: Städtisch, spartenübergreifend
Leitung (Stand Februar 2026:)
- Dorothea Müller, Leitung Restaurierung Gutenberg-Museum
- Christian Richter, Wissenschaftliche Stadtbibliothek Mainz
- Dr. Hedwig Suwelack, Leitung Martinus-Bibliothek Mainz
Beteiligte Einrichtungen:
- Archiv des Südwestdeutschen Rundfunks Mainz (SWR)
- Archiv und Bibliothek des Landtags Rheinland-Pfalz
- Deutsches Kabarettarchiv
- Dom- und Diözesanarchiv
- Dom- und Diözesanmuseum
- Gutenberg-Museum
- Landesmuseum Mainz
- Leibniz-Zentrum für Archäologie Mainz
- Martinus-Bibliothek des Bistums Mainz
- Naturhistorisches Museum
- Stadtarchiv Mainz
- Wissenschaftliche Stadtbibliothek Mainz
Besonderheiten:
Bei der Berufsfeuerwehr Mainz ist ein Ausrüstungssatz Kulturgut stationiert, eine Materialsammlung orientiert am Vorbild aus Thüringen.
Dokumentation vergangene Übungen (Auswahl):
Stand Februar 2026 befindet sich ein Notfallverbund in Trier in Gründung. Details folgen nach der Gründung.