Der simulierte Wassereinbruch würde im Ernstfall zur Durchnässung von Büchern und zum Stromausfall führen. Vor diesem Hintergrund wird die Bergung von hundert laufenden Metern Büchern erprobt, die durch die Treppenhäuser transportiert werden müssen. Feuerwehr und THW leuchten die Laufwege aus und unterstützen die Mitglieder des Notfallverbundes bei der eigentlichen Bergung.
Die vom Brand- und Katastrophenschutz und dem Notfallverbund Speyer getragene Notfallübung zielt darauf ab, jederzeit auf mögliche Katastrophenfälle, die Kulturgut betreffen, gerüstet zu sein und insbesondere die Zusammenarbeit zu erproben. Denn Katastrophen verschiedener Art ziehen immer wieder auch Kulturgut in Mitleidenschaft, wie die Ahrtalflut gezeigt hat.
„Ein schnelles Eingreifen ist nötig, da bereits nach zwei Tagen Schimmelbildung einsetzt, was Kulturgut irreparabel schädigen kann.“ erläutert Dr. Armin Schlechter, Leiter der Abteilung Sammlungen im Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz. „Nach der Bergung von durch Wasser geschädigtem Archiv- und Bibliotheksgut wäre die sich anschließende Maßnahme das Einfrieren der Materialien, um Schimmelbildung zu verhindern“ führt Schlechter weiter aus. Sei bei der Bergung Eile geboten, so könne das Gefriertrocknen danach ohne Zeitdruck geschehen.
„Auch aus Sicht der Landesstelle Bestandserhaltung in Rheinland-Pfalz ist diese Übung sehr wichtig, denn für die landesweite Notfallplanung ist dies ein sehr gutes Vorbild und Beispiel, von dem andere Kultureinrichtungen und Notfallverbünde lernen können.“ so Dr. Annette Gerlach, Leiterin der Landesbibliothekszentrums und der Landesstelle Bestandserhaltung.
„Die Ahrtal-Katastrophe hat uns vor Augen geführt, wie wichtig es ist, auch in Kulturgut bewahrenden Einrichtungen besser auf Katastrophen vorbereitet zu sein. Deshalb stärken wir als Land die regionalen Notfallverbünde für den Kulturgutschutz, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Ein wichtiger Baustein dabei ist das Kulturgutkataster, das nun alle relevanten Kulturgut bewahrenden Einrichtungen im Land erfasst und zukünftig im Brand- und Katastrophenschutz-Portal zugänglich sein wird. So können die Blaulicht-Organisationen im Notfall gezielt handeln und schnell wissen, wo Gefahr für wertvolle Kulturgüter besteht. Zusätzlich beschaffen wir für rund 1,1 Millionen Euro Großgeräte wie Notfall-Container und Notfall-Lkw, die landesweit für den Kulturgutschutz bereitstehen werden. Damit stellen wir sicher, dass wir im Ernstfall gut vorbereitet sind und Kulturgut so schnell wie möglich gerettet werden kann“, betont Kulturministerin Katharina Binz. Sie war am Abend extra nach Speyer gekommen, um sich ein Bild davon zu machen, wie Kulturgutrettung in der Praxis aussehen kann.
Der Notfallverbund der Stadt Speyer wurde 2013 von zehn Archiven, Bibliotheken und Museen gegründet und zählt mittlerweile 14 Mitglieder. Ziel eines Notfallverbundes ist die wechselseitige Hilfe im Katastrophenfall, unabhängig von der Trägerschaft der einzelnen Einrichtungen. Im Speyerer Notfallverbund sind Einrichtungen des Bundes, des Landes, der Stadt, der Kirchen, das Historische Museum der Pfalz sowie der Brand- und Katastrophenschutz der Stadt Speyer zusammengeschlossen.
Neben dem Notfallverbund in Speyer bestehen in Rheinland-Pfalz weitere Notfallverbünde in Mainz, Trier und Koblenz.