| Landesbibliothekszentrum, Rheinische Landesbibliothek, Neuerwerbung

Landesbibliothekszentrum erwirbt Teile der Bibliothek der berühmten Familie Kirsch-Puricelli

Koblenz. Sie waren eine der bedeutenden Unternehmerdynastien an Rhein und Nahe und standen über mehr als hundert Jahre in erfolgreicher Konkurrenz zu den Stahl- und Eisenproduzenten im Ruhrgebiet: Die Familie Kirsch-Puricelli und ihre Eisenhütten in Rheinböllen (Rheinböller Hütte) und Stromberg (Stromberger Neuhütte) waren bis ins frühe 20. Jahrhundert für die Mittelrheinregion von großer wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Bedeutung.
Seite mit Keilschrift
Keilschriftentafel aus Niebuhr, Carsten: Reisebeschreibung nach Arabien. Kopenhagen 1774-78

Jetzt konnte das Landesbibliothekszentrum / Rheinische Landesbibliothek einen Teil der Bibliothek der berühmten Familie erwerben.
Die Familienmitglieder waren neben ihren erfolgreichen Aktivitäten als Unternehmer auch als Kunstförderer aktiv – sie förderten unter anderem den Bau und Erhalt von Kirchen und Kapellen in der Region und traten als Stifter sozialer Einrichtungen wie beispielsweise des St. Franziska-Stifts in Bad Kreuznach in Erscheinung. Im Jahr 1899 erwarben Nikolaus Kirsch-Puricelli und seine Frau Olga die Burg Reichenstein in Trechtingshausen und ließen sie in eine Wohnburg im Stil der englischen Neugotik umbauen. Sie blieb bis 1936 Wohnsitz der Familie. Heute wird sie von vielen Gästen besucht und bewundert.

Die Bibliothek der Familie Kirsch-Puricelli enthält zahlreiche wertvolle Werke, darunter Drucke aus dem 16.,17., und 18. Jahrhundert mit Besitzvermerken und handschriftlichen Randbemerkungen der verschiedenen Vorbesitzer. Beispielhaft zu erwähnen ist hier die berühmte erste Lipsius-Ausgabe der Werke des antiken Philosophen Seneca, die 1605 in der „Offizin Plantin“ in Antwerpen publiziert wurde. Bemerkenswert auch: Die erste vollständige Ausgabe von Carsten Niebuhrs Beschreibung der in den Jahren 1761-1767 durchgeführten Forschungsreise nach Ägypten, Arabien, Indien und dem damaligen Osmanischen Reich (heute Syrien, Irak, Türkei), erschienen 1774-78.

In der Vielfältigkeit ihres Bestandes ist die Sammlung ein wichtiges Objekt für die Erforschung großbürgerlicher Kultur in unserer Region.

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