Karte von Dahlen aus dem Jahre 1885

Karte von Dahlen aus dem Jahre 1885
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Die Rebkultur kam mit den Römern an Mosel, Rhein und Donau. Ein römischer Kelterstein, der bei Niederlahnstein gefunden wurde, ist ein zuverlässiger Beleg für Weinbau im Lahnmündungsgebiet, wobei die Anbauflächen aber vermutlich im Rheintal lagen. Erste (umstrittene) Hinweise auf Weinbau bei Diez und im südlich angrenzenden Aar-Gebiet finden sich in einer Schenkungsurkunde Karls des Großen an die Abtei Prüm aus dem Jahre 790. Es folgen Schiesheim 879 und Oberneisen 958. An der Lahn selbst ist der Rebbau zum ersten Mal gesichert im 12. Jahrhundert belegt, und zwar bei Nassau (1159). Erst die Einführung der Terrassenkultur im 10./11. Jahrhundert ermöglichte den Weinbau im sehr engen unteren Lahntal. Nach Ausweis der urkundlichen Ersterwähnungen muss man davon ausgehen, dass er nicht vom Mittelrhein aus, sondern vom Rhein-Main-Gebiet über das Limburger Becken an die Lahn vorgedrungen ist. Im 13. und 14. Jahrhundert erfolgte eine zügige Ausbreitung im unteren und auch im mittleren Lahntal bis in den Marburger Raum.

Weitere Ersterwähnungen für Weinberge sind: Kloster Arnstein (um 1200), Laurenburg (1275 – nach Gemmer), Wetzlar (1242), Niederlahnstein (1247), Weinähr (1267), Dausenau (1300), Limburg (1349), Weilburg (um 1350), Obernhof (1370), Fachbach (1385). Die Datierungen sind, sofern nicht anders erwähnt, entnommen aus: Peter Jung, Weinbau ...1970.

Im Gebiet der unteren Lahn sorgten vor allem das Prämonstratenserkloster Arnstein (bei Obernhof, gegründet 1139) und das St. Kastorstift in Koblenz für eine beachtliche Ausdehnung der Rebflächen zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert. Das Kloster Arnstein besaß Weinberge von Laurenburg bis Lahnstein, zeitweise sogar an Rhein und Mosel. Der Überlieferung nach bezog es die Setzreben zum erstmaligen Anbau aus Burgund.

Die Blütezeit des Weinbaus an der Lahn war Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts. Vor allem im unteren Lahntal gab es entlang der südexponierten Talseite eine weitgehend geschlossene Rebflur. Spätestens mit dem 30jährigen Krieg kam es zu einem deutlichen Niedergang, in erster Linie als Folge des dramatischen Bevölkerungsrückganges. Dieser betraf sowohl die bäuerliche Bevölkerung als Produzenten wie die Weinkonsumenten. Auch unmittelbare Zerstörungen der Weinberge durch Söldnerheere sind überliefert, so bei Diez. Hinzu kam die Konkurrenz durch bislang hier unbekannter Getränke aus Übersee, wie Tee, Kaffee oder Kakao und ein allgemeiner Geschmackswandel zu Bier und anderen Getränken. Letztlich hat sicherlich auch die Klimaverschlechterung im Zuge der Kleinen Eiszeit die Problematik verstärkt, so dass ein Teil der verwilderten Weinberge mit robusteren Obstbäumen bepflanzt wurde.

Die Bemühungen der Grundbesitzer (vornehmlich Klerus und Adel) zur Wiederbelebung der Rebkultur an der Lahn Mitte des 17. Jahrhunderts hatten nur begrenzten Erfolg. So blieb der Weinbau weit hinter seiner früheren Verbreitung zurück, wenn er auch in einigen Orten im unteren Lahntal weiterhin eine wichtige Existenzgrundlage für die Bevölkerung bildete, wie in der Stadt Nassau. In den ungünstigeren Lagen (enge Seitentäler, Gebiete an der mittleren Lahn, Hochflächen etc.) wurde der Weinbau jedoch auf Dauer aufgegeben. Die beginnende Industrialisierung, die auf den Eisen-, Blei-, Kupfer, Zink- und Silberbergwerken und der Erzverhüttung basierte, bot den Winzern Möglichkeiten, in besser bezahlten Berufen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Hinzu kamen zahlreiche Missernten und starke Konkurrenz aus anderen, auch ausländischen Weinbaugebieten, so dass sich die Rebfläche in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwischen Runkel und Lahnstein um 50% reduzierte.
Die fortschreitende Industrialisierung und der Ausbau der Verkehrswege (die Bahnverbindung Gießen-Lahnstein wurde 1863 durchgehend fertiggestellt) bewirkte eine erhöhte Mobilität der Bevölkerung. Zahlreiche Bauern, überwiegend Nebenerwerbswinzer, wanderten ab oder wandten sich anderen Berufen zu.