Virtuelle Ausstellungskataloge

Luther in Laach - Audiodateien (2017)

„Luther in Laach“ –  das Thema unserer Ausstellung irritiert. Wann war denn Luther in Laach? Und warum gibt es bislang keine Erinnerungstafel an dieses Ereignis? Die Antwort ist einfach: Luther war nicht in Laach – er ist es immer noch. Wer „Luther in Laach“ kennenlernen möchte, wird ihm in der Bibliothek begegnen. In ihr ist er in seinen Werken weiterhin zugegen.

Die Ausstellung will den Besucher in einen Dialog mit Luther und ausgewählten Schwerpunkten seiner Theologie bringen. Sie präsentiert aber nicht nur das, was Luther sagt. Sie veranschaulicht auch, woher Luther das hat, was er sagt. Denn Luther steht selbst in einem Dialog: mit der Heiligen Schrift, mit Augustinus und Bernhard von Clairvaux, mit seinen Gegnern – und mit sich selbst.

Unsere Ausstellung zeigt den „Reformkatholiken“ Luther im Kontext des theologischen Diskurses der Kirche. Neben der (teilweise ganz überraschenden) katholischen Ursprünglichkeit der Theologie Luthers lenkt sie aber auch die Auf-merksamkeit auf die durchaus unterschiedlichen Wirkungen der Wittenberger Reformimpulse.

Neben den reformkatholischen Ansatz tritt zunehmend die konfessionelle Sichtweise, bei der sich das zunächst innerrömisch-katholisch verortete Luthertum mehr und mehr zu einer eigenständigen lutherischen Konfessionskirche entwickelt. Verhärtetes Konfessionsbewusstsein kann (auf lutherischer wie katholischer Seite) dabei zu einem Konfessionalismus führen, der nicht mehr dialogfähig ist. Der neuere, bereits 50jährige katholisch-lutherische Dialog versucht demgegenüber, ökumenische Perspektiven zu entdecken.

Die Exponate zeigen die Bedeutung der Sammlungsgeschichte der Bibliothek der Abtei Maria Laach. Das Leitmotiv der Ausstellung ist letztlich das Prinzip jeder Bibliothek: „Dialog“ – zwischen Büchern und Lesern, aber auch innerhalb der Bestände. Dialogisches Verstehen ist darum auch der Beitrag dieser Ausstellung zu einem ökumenisch verantworteten Reformationsgedenken.

Hier finden Sie die Audiodateien  

Begleitbroschüre zur Ausstellung (pdf-Datei; 20,8 MB)

Gott, Schöpfer Himmels und der Erden (2017)

Schöpfungsdarstellung aus der der Lutherbibel von 1534 in der BBZ © LBZ

Ausstellung in der Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken vom 24. August bis 17. November 2017

Die „Rüstkammer des rechten Glaubens“, die Bibliothek des Pfalzgrafen Karl von Pfalz-Birkenfeld (1560-1600), enthält eine Sammlung der wichtigsten reformatorischen (Kontrovers-) Literatur sowie zahlreiche Bibeln. Sie gehört heute zum Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz in Zweibrücken. - Zeigte die Bibliotheca Bipontina zu Beginn der Luther-Dekade wie die Sozialisation des Pfalzgrafen und der Bibliotheksaufbau parallel zur Entstehung des Konkordienbuches (1580) verliefen, so steht nun einer seiner schönsten Bände im Mittelpunkt der Betrachtung, Luthers 1543 bei Hans Lufft in Wittenberg erschienene Bibelübersetzung mit ihrer Schöpfungsdarstellung.

Nicht nur die Ikonographie dieses zentralen Werkes, seine Prägung durch den Reformator und die Vorbildfunktion für spätere Darstellungen werden mit zahlreichen Exponaten belegt. Wichtig ist den Veranstaltern vor allem darzustellen, in welcher Tradition das Kosmos-Verständnis des Reformators stand, das hier in Holz geschnitten wurde. 

Hier finden Sie den Eröffnungsvortrag von Bischoff Jobst Schöne (pdf-Datei) die vollständigen Ausstellungstexte von Dr. Sigrid Hubert-Reichling (Kuratorin) sowie eine Auswahl von Exponaten im Bild (Fotos: LBZ / Niemeyer).

Zur Ausstellung ist eine Begleitbroschüre erschienen (pdf-Datei, 17,24 MB)

Augustas Bibliothek: Die Kaiserliche Öffentliche Bibliothek im Koblenzer Residenzschloss (2013)

Ausstellung in der Rheinischen Landesbibliothek vom 19. Juni bis 30. August 2013

Im Jahr 2010 überließ die Generaldirektion Kulturelles Erbe / Burgen, Schlösser, Altertümer dem Landesbibliothekszentrum die Bibliothek von Schloss Stolzenfels als Dauerleihgabe.
Es handelt sich um 226 Bände, davon 16 Buchobjekte mit Autographen, Handschriften, Zeichnungen und Plänen. Der Rest sind Druckwerke vornehmlich des 19. Jahrhunderts aus den Fachgebieten Genealogie, Geschichte, Kunstgeschichte, Architektur, Philosophie, Theologie und Belletristik.

Die Prüfung des Kataloges der „Kaiserlichen Öffentlichen Bibliothek im Koblenzer Schloss“ (2005 erschienen), verbunden mit einem Abgleich der Signaturen und Prüfung der Exlibris hat ergeben, dass es sich bei diesen Beständen um wichtige Teile der Kaiserlichen Öffentlichen Bibliothek Augustas handelt, die in Schloss Stolzenfels der Nachwelt erhalten geblieben sind. Die Ausstellung präsentiert einen Querschnitt durch die Bibliothek und die erhaltenen „Schätze“ dieser Sammlung.

Hier finden Sie die vollständigen Ausstellungstexte sowie eine Auswahl von ausgewählten Exponaten im Bild.

"Ein Bild von einem Garten": künstlerische Darstellungen historischer Gärten und Landschaften in der Mittelrhein-Region (2011)

Ausstellung vom 12. Mai bis 30. August 2011 im LBZ anlässlich der Bundesgartenschau 2011

Die Mittelrhein-Region ist reich an historischen Gärten, seien es Gärten an Schlössern oder Burgen, Klostergärten, Rheinanlagen, Parkanlagen der Kurbäder oder Villengärten.
Die Gärten und die Landschaft des Mittelrheintales inspirierten besonders in der Zeit der „Rheinromantik“, aber auch später immer wieder Künstler, sich mit diesen Motiven zu beschäftigen und sie zeichnerisch, graphisch oder in Gemälden darzustellen.

Anlässlich der Bundesgartenschau in Koblenz zeigte das Landesbibliothekszentrum ausgewählte künstlerische Darstellungen der Rheinlandschaft und der Gärten in dieser Region aus seinem Bestand und aus dem Besitz anderer Koblenzer Institutionen.

Hier finden Sie die vollständigen Ausstellungstexte sowie ausgewählte Exponate im Bild:

  1. Die künstlerische Entdeckung der Rheinlandschaft vom 17. bis 19. Jahrhundert: Landschaftsdarstellungen des Mittelrheins
  2. Gärten an Burgen
  3. Gärten an Schlössern
  4. Klostergärten
  5. Rheinanlagen
  6. Parkanlagen der Kurbäder
  7. Villengärten
Mythos Baedeker: Karl Baedeker und sein Verlagshaus in Koblenz (2009)

Ausstellung im Landesbibliothekszentrum / Rheinische Landesbibliothek vom 9. Oktober bis 30. November 2009

Zum 150. Todestag von Karl Baedeker zeigte das Landesbibliothekszentrum eine Ausstellung über das Leben des Verlagsgründers und die Produktionen des Verlagshauses Baedeker in Koblenz. Zu sehen waren nicht nur Erstausgaben der handlichen Reiseführer, mit denen Baedeker die Reiseliteratur revolutionierte, sondern auch andere Werke aus der Verlagsproduktion, Originalbriefe, Fotos und vieles andere.

Hier finden Sie die vollständigen Ausstellungstexte sowie eine Auswahl von ausgewählten Exponaten im Bild.

"Augenweide und Schutz": Einbände des 15. bis 17. Jahrhunderts (2008)

"Augenweide und Schutz": Einbände des 15. bis 17. Jahrhunderts. Aus den Beständen der Pfälzischen Landesbibliothek Speyer. Ausstellung vom 01.12.2008 bis 31.01.2009

Die Ausstellung präsentiert in fünf thematisch aufgebauten Abteilungen 40 Einbände des 15. bis frühen 17. Jahrhunderts aus den Tresoren der Pfälzischen Landesbibliothek Speyer. Zu sehen sind helle Schweinsleder- und Pergamentbände sowie braune und rote Kalblederbände.

In der bis 1500 reichenden Inkunabelzeit dominieren Einzelstempel, die in vielen verschiedenen Formen belegt sind. Im 16. und frühen 17. Jahrhundert werden Einbände vorwiegend mit Rollen und Platten geschmückt. Neben blind in das Leder geprägten Stempeln stehen Prägungen in Gold, wozu die Gattung des Ottheinricheinbandes gehört.

Viele der in der Ausstellung gezeigten Bücher sind in Speyer oder in Neustadt gedruckt worden. Aus der Inkunabelzeit dominieren solide Klostereinbände mit Holzdeckeln aus bayerischen Klosterbibliotheken. Produkte des reformierten Druckers Matthäus Harnisch zeigen dagegen meist Einbände, die in lutherischen oder calvinistischen Territorien hergestellt worden sind. Hier ist der Stempelschmuck ikonographisch zugleich ein Bekenntnis zum Protestantismus.

Die Ausstellung wurde bis zum 31. Januar 2009 in Speyer und ab Mitte Mai 2009 in der Rheinischen Landesbibliothek in Koblenz gezeigt. Begleitend ist in der Schriftenreihe des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz ein reich illustrierter Katalog erschienen, in dem jedes Exponat in Farbe abgebildet wird:

Armin Schlechter: Augenweide und Schutz. Einbände des 15. bis 17. Jahrhunderts. Aus den Beständen der Pfälzischen Landesbibliothek Speyer, Koblenz 2008 (Schriften des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz 4). Verkaufspreis: 15 Euro

  

Bernhard Pauli, Sermones collecti de tempore ex diversis doctoribus, Handschrift, Papier, Tückelhausen (?), 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts

Signatur: Hs. 7

Heller Schweinslederband über Holzdeckeln. Eine von zwei Schließen erhalten. Heilbronn, Werkstatt Löwe I (Frater Johannes Furderer)

Der kleinformatige Einband dieser Oktavhandschrift wird durch einen äußeren Streicheisenrahmen und ein gerautetes Mittelfeld gegliedert. In Anbetracht der geringen Fläche sind vergleichsweise viele Einzelstempel angebracht. Als markante Leitstempel können ein heraldischer Doppeladler mit Krone in der Mitte, ein Lamm mit Kreuz sowie ein schreitender Löwe am oberen und unteren Rand gelten. Die in Heilbronn zu lokalisierende Werkstatt Löwe I war von 1469 bis 1531 tätig. Sie verwendete auf anderen Einbänden die Namensstempel frater johannes, weshalb sie auf einen Frater Johannes Furderer zurückgeführt wird.
Es handelt sich bei Hs. 7 um eine Sammlung von Predigten zu den Festen des Kirchenjahres, die auf verschiedene Autoren zurückgehen. Auf Bl. 345v, mit dem der Hauptteil endet, nennt sich in der Schlußschrift als Kompilator und Schreiber Fr. Bernardus puech Scriptor. Eine Hand des 16. Jahrhunderts vermerkte auf dem Vorsatzblatt als Titel Sermones per F. Bernardum Pauli collecti. Zwei Besitzvermerke des 16. und 17. Jahrhunderts weisen auf die Kartause Tückelhausen unweit von Würzburg. Auf diesen Orden deuten auch drei Predigten des vor allem in Erfurt wirkenden Kartäusers Jacobus de Paradiso (1381-1465), die im Anschluss an den Hauptteil nachgetragen sind. Tückelhausen wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Prämonstratenserkloster begründet und ging im Jahr 1351 unter dem Namen Cella Salutis an den Kartäuserorden über. Nach der Aufhebung 1803 gelangten einige wenige Handschriften und Drucke, darunter auch Inkunabeln mit den Werken von Jacobus de Paradiso, an die Universitätsbibliothek Würzburg.

Missale Moguntinense, Speyer: Peter Drach der Jüngere, 1507

Signatur: 49.2329 Rara


Heller Schweinslederband über Holzdeckeln. Zwei Langriemenschließen sowie fünf Metallbeschläge pro Deckel. Blattweiser. Werkstatt Erfurt, Steifer Hirsch I

Liturgische Bücher wurden oft vergleichsweise aufwendig eingebunden, was ihrem hohen ideellen Wert, aber auch ihrer teils intensiven Nutzung Rechung trug. Neben den Metallbuckeln sind hier vor allen Dingen die punzierten Langriemenschließen zu nennen, die an einem von einem Wappenschild aus Metall unterlegten Stift eingehängt werden. Den großformatigen Einband rahmen zwei Stempelreihen. Das durch mehrfache Streicheisenlinien gegliederte Mittelfeld ist dicht mit Einzelstempeln gefüllt. Leitstempel des Bandes sind ein Hirsch und ein Hund sowie zwei verschiedene Herzen mit Pfeil nach rechts. Sie lassen sich einem städtischen Buchbinder in Erfurt zuordnen, wohin der ungebundene Druck offensichtlich verkauft worden war. Wahrscheinlich wurde er dort in einer Kirche oder einer geistlichen Einrichtung verwendet. Das Missale enthält neben den Gesängen die Texte (Gebete, Sakramente, biblische Lesungen u.a.m.) der lateinischen Messe in der Abfolge der Eucharistiefeier. Bei diesem Missale wurden bei den Gesängen nur die Notenlinien in Rot gedruckt; die Noten selbst sind zum Teil von Hand nachgetragen. Neben dem Missale Romanum der römischen Kurie, dem wichtigsten Vertreter dieser Buchgattung ab dem Hochmittelalter, existierten zahlreiche Eigenmissalien der Diözesen, Abteien und Orden. Das hier vorliegende Missale Moguntinense ist das Eigenmissale der Diözese Mainz, zu der vom Ende des 8. Jahrhunderts bis 1802 auch Erfurt gehörte. Mit Peter Drach dem Jüngeren (ca. 1475-1530), der in Heidelberg Jura studiert hatte, endet die Speyerer Druckerdynastie der Drachs. Aufgrund von Erbstreitigkeiten konnte seine Offizin erst 1507 ihren Betrieb aufnehmen und erlosch mit seinem Tod, nachdem etwa 25 Drucke aus ihr hervorgegangen waren. Drach druckte neben liturgischen Büchern vor allem Schriften amtlichen Charakters für die Städte Speyer und Worms.

KERAS AMALTHAIAS ... [griech.]. Ioannis Stobaei Sententi? ex thesauris Graecorum delectae, quarum autores circiter ducentos & quinquaginta citat: et in Sermones siue Locos communes digest?, à Conrado Gesnero Doctore Medico Tigurino ..., Basel: Johannes Oporinus auf Kosten von Christoph Froschauer d.Ä., 1549

Signatur: 10.1001 Rara

Dunkler Kalblederband über Pappdeckeln, Rücken ersetzt. Ehemals vier Verschlussbänder. Süddeutschland, Unbekannte Werkstatt

Der Einband zeigt ein gerautetes Mittelfeld. Die Binnenflächen sind mit halben Blumentopf-Stempeln gefüllt. In der Mitte ist derselbe Stempel zusätzlich durch Anfügungen seines oberen Teils mit der Blüte erweitert. Die Rahmung des Deckels und die Raute bilden zwei verschiedene Tugendenrollen. Der äußere Stempel ist auf 1528 datiert und zeigt als Halbfiguren Prudentia und Lucrezia. Als Ganzfigur ist neben der Justitia auch die Occasio, Göttin der Gelegenheit, dargestellt, die ikonographisch an den von der Stirn ausgehenden langen Haaren, dem Dolch in der Hand, Flügeln an den Füßen und der Weltkugel, auf der sie steht, kenntlich ist. Das Buch enthält eine zweispaltige griechisch-lateinische Fassung der von Johannes Stobaios im 5. Jahrhundert zusammengestellten Sammlung von Exzerpten antiker griechischer Autoren. Die lateinische Übersetzung geht auf den Züricher Universalgelehrten Konrad Gesner (1516-1565) zurück, der 1554 zum Stadtarzt seiner Heimatstadt berufen wurde. Er schuf mit seinen Büchern ‚Bibliographia universalis’ und ‚Historia animalium’ wegweisende Standardwerke der Biobibliographie und der Zoologie. Der Band stammt laut einem auf den 27. November 1623 datierten Besitzvermerk aus dem Besitz von Johann Caspar Schormann aus Bergzabern, einem Sohn von Johann Schormann (1580-1635), der 1635 als Pfarrer von Albersweiler starb. Auf den Vorderspiegel ist ein Gedenkblatt auf Graf Ernst von Mansfeld (um 1580-1626) geklebt, einer der berüchtigtsten Heerführer des Dreißigjährigen Kriegs, der von Kurfürst Friedrich V. nach seiner Wahl zum böhmischen König unbeschränkte Vollmacht als General erhalten hatte. 1622 war es ihm nicht gelungen, die Eroberung der Kurpfalz durch Truppen der katholischen Liga zu verhindern. Eine der handschriftlichen Beischriften zu dem Kupferstich lautet: Viel haben daß Vivat Mansfeldt gesungen: aber ander dareben ach vnndt weeh: Jamer vndt Eelendt: Hunger v[nd] kummer.

Prutenicae tabulae coelestium motuum. Autore Erasmo Reinholdo Salveldensi, Tübingen: Ulrich Morhard, 1551

Orontii Finei Delphinatis, regii mathematicarum professoris, In proprium Planetarum Aequatorium, omnium antehac excogitatorum et intellectu et usu facillimum Canones, ab ipso Authore recens aucti et emendati, Paris: Hieronymus Gormontius, 1538

Signatur: Speyer, Gymnasium am Kaiserdom, DA 64


Dunkler Kalblederband über Holzdeckeln, Rücken ersetzt. Zwei Schließen und vier Messingbeschläge pro Deckel. Heidelberg/Weinheim: Werkstatt Jörg Bernhardt
 
Etwa 450 Exemplare des nach dem pfälzischen Kurfürsten Ottheinrich (geb. 1502, reg. 1556-1559) benannten Ottheinricheinbandes haben sich heute noch erhalten. Die Gestaltung wurde von ihm selbst vorgegeben. Der typische Ottheinricheinband besteht aus Kalbleder, das mit blinden Streicheisenlinien und Rollenstempeln verziert ist, hier eine Auferstehung-David-Paulus-Rolle außen und innen eine Blumengerankrolle mit Frauenbüste. Im Zentrum des Einbandes steht in Gold vorne das Porträtsupralibros von Ottheinrich sowie hinten sein Wappensupralibros. Dieses Plattenpaar wurde vor dem Heidelberger Regierungsantritt verwendet, danach zieren zwei weitere Plattenpaare die Einbände der Kurfürstenzeit. Ebenfalls ein typisches Element ist das vorne aufgeprägte Bindejahr 1552. Es zeigt, dass der Sammelband im Jahr nach dem Erscheinen des Tübinger Drucks hergestellt wurde. Der Band enthält zwei astronomische Drucke, unter ihnen die ‚Prutenicae tabulae coelestium motuum’. Diese ‚Preußischen Tafeln der Himmelsbewegungen’ gehen auf Erasmus Reinhold (1511-1553) zurück, der von 1536 bis 1552 Astronomie und Mathematik an der Universität Wittenberg lehrte. Er war einer der ersten deutschen Wissenschaftler, der die bahnbrechenden Werke von Nikolaus Kopernikus rezipierte. Astronomische Literatur bildete einer der Schwerpunkte von Ottheinrichs Bibliothek. Der Band blieb bei der Wegführung der Heidelberger Bibliotheca Palatina 1623 nach Rom als Dublette am Neckar zurück und fiel an die im Zuge der Gegenreformation der Kurpfalz durch die neuen Herrscher berufenen Jesuiten. Als die Kurpfalz 1649 an die Nachkommen des ‚Winterkönigs’ Friedrich V. zurückgegeben wurde, mussten die katholischen Orden Heidelberg wieder verlassen. Auf diesem Weg gelangte der Band nach Mainz, wo er wahrscheinlich im Gefolge der französischen Revolution abhanden kam.

Argumentorum et obiectionum, De praecipuis articulis doctrinae Christianae, cum Responsionibus, quae passim extant in scriptis Reverendi viri Domini Philippi Melanchthonis, Pars prima. Collecta studio & industria Christophori Pezelii …, Neustadt/Hardt: Matthäus Harnisch, 1582

Secunda pars argumentorum et obiectionum de praecipuis capitibus doctrinae Christianae: Cum responsionibus: Quae sunt collectae ex aureis, & perpetua immortalitate dignißimis scriptis Philippi Melanchthonis … Authore Christophori Pezelio …, Neustadt/Hardt: Matthäus Harnisch, 1583

Heller Schweinslederband über Pappdeckeln. Deutschland, Unbekannte Werkstatt

Den Vorder- und den Hinterdeckel schmückt außen eine Tugendenrolle mit Personifikationen von Prudentia, Justitia, Lucretia und Cognicio. Im Mittelpunkt steht vorne ein Plattenstempel des drachentötenden hl. Georg, der rechts neben dem Pferd mit C.S. monogrammiert ist. Die Unterschrift MILITA BONAM MILITIAM BONAM HAB/ENS FIDEM ET BONAM CONSCIENTIAM * TIM * 8 * 3 * fordert in Anlehnung an den zweiten Timotheus-Brief (2,3) zu einer guten Ritterschaft im richtigen, hier zweifellos protestantischen Glauben auf. Der hl. Georg erscheint sehr selten als Plattenstempelmotiv. Links oben ist eine Frau mit einem Siegeskranz zu sehen, was ikonographisch auf den mit Gottes Hilfe erworbenen Sieg verweist. Über und unter dieser Platte finden sich das auf den ersten Besitzer des Buches weisende Monogramm H.V.D.L. und das Bindejahr 1583. Den Hinterdeckel ziert die Allegorie der betenden Spes mit Unterschrift WAS . GOTT . VOR . HEISCHT . HOF/ ICH * GEWIS * VOR * ZEVGET * ER ./ DEN GLEICH . EINE . KLEINE FRIST. Rechts oben zeigt die Platte das Wittenberger Stadtwappen in reformatorischer Umdeutung. Das Schiff im Vordergrund links verweist auf die Kirche. Auch dieser Einband ist sicherlich in Sachsen entstanden. Der reformierte Theologe Christoph Pezel (1539-1604) stammte aus Plauen und studierte in Jena und dann in Wittenberg, wo er ab 1569 als Professor an der theologischen Fakultät wirkte. Im Zuge des Kryptocalvinistenstreits wurde er zwei Jahre lang inhaftiert und ging danach als Pfarrer nach Herborn. 1578 nahm er an der Synode der Reformierten in Neustadt teil. Ab 1581 wirkte Pezel in Bremen. Er gilt als der wichtigste Schüler Melanchthons, der sich dem Calvinismus zugewandt hat. Dieser Band enthält zwei von insgesamt neun Teilen über die wichtigsten Artikel der christlichen Lehre, wie sie Pezel aus dem großen Werk Melanchthons ordine methodico ausgezogen hat.

Erspäht und ersteigert: Zwanzig Jahre Rheinische Landesbibliothek - zwanzig Jahre Handschriftenerwerbung (2007)

Ausstellung vom 23. November bis 20. Dezember 2007

Anlässlich ihres zwanzigjährigen Bestehens zeigte die Rheinische Landesbibliothek herausragende Stücke aus ihrer Handschriften- und Autographensammlung.

Um das kulturelle Erbe der Region für die Zukunft zu bewahren, sammelt die Rheinische Landesbibliothek nicht nur aktuelle landeskundliche Literatur, sondern auch ältere. Dies gilt in erster Linie für gedruckte Erzeugnisse, schließt aber auch handschriftliche Dokumente ein. Heute umfasst die Handschriften-Sammlung ca. 700 Objekte: Autographen, neuzeitliche Handschriften, Musikhandschriften und Urkunden. Gesammelt werden Dokumente, die von Personen stammen, die einmal ihren Lebensmittelpunkt in der Region hatten oder von Ereignissen handeln, die sich in der Region zugetragen haben.

In dieser virtuellen Ausstellung finden Sie Ausstellungstexte und Abbildungen einiger ausgesuchter Exponate.

Literarisches Leben in Rheinland-Pfalz 1947-1956 (2007)

Ausstellung vom 19. Mai bis 31. Juli 2007 im Landesbibliothekszentrum / Rheinische Landesbibliothek zum 60-jährigen Jubiläum des Landes Rheinland-Pfalz im Rahmen der landesweiten Ausstellung "verliebt? verlobt! verheiratet ... Rheinland-Pfalz: Die frühen Jahre"

Die Ausstellungen zum Landesjubiläum von Mitte Mai bis August 2007 in Koblenz, Mainz und Speyer: Fünf sich ergänzende Teile - ein Ganzes

Langsam aber sicher blüht das literarische Leben im Lande auf. Nach Jahren der Isolierung dürsten die Menschen geradezu nach freier, unzensierter Literatur. Die Autoren und Verleger kehren aus dem Exil zurück. Die Kulturpolitik der französischen Besatzungsmacht und die Bemühungen des neu gegründeten rheinland-pfälzischen Kultusministeriums legen den Grundstein für die künftige Entwicklung
Die Ausstellung zeigt das ganze Spektrum des literarischen Lebens in der Nachkriegszeit - die Verlage, die literarisch-kulturellen Zeitschriften, die Arbeit der Vereine und Institutionen. Und nicht zuletzt die Präsenz solcher Autoren wie Stefan Andres, Fritz von Unruh, Jakob Kneip und all jener, die die Literatur der frühen Jahre prägen.

Hier finden Sie den Eröffnungsvortrag von Dr. Sigfrid Gauch (pdf-Datei) sowie die vollständigen Ausstellungstexte und eine Auswahl von Exponaten im Bild:

Flusslandschaften als Welterbe: Loire - Mittelrhein Vorträge (2004)

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