Zukunft der Bibliotheken im Zeitalter der Digitalisierung im Blick

Partner aus Tschechien und Polen zum Informationsbesuch im Landesbibliothekszentrum - Kolloquium in Koblenz. Ziel: vor dem Hintergrund der Digitalisierung die Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg zu verstärken.

Koblenz. Seit mehr als zehn Jahren sind sie durch eine lebendige Partnerschaft verbunden: Die Woiwodschaftsbibliothek im polnischen Opole, die Mittelböhmische Wissenschaftliche Bibliothek in Kladno bei Prag und das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz (LBZ). Zum Informationsbesuch kamen jetzt Delegationen aus Polen und Tschechien, um sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Partnerland auszutauschen. Ziel: Vor dem Hintergrund der Digitalisierung die Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg zu verstärken.

Bereits 2007 hatte das LBZ im Rahmen der Partnerschaft des Landes zur Woiwodschaft Opole in Oberschlesien mit der Woiwodschaftsbibliothek in der Stadt Opole einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, der den gegenseitigen Erfahrungsaustausch, den Schriftentausch und die Zusammenarbeit in Fachfragen einschloss. Die Partnerschaft von Rheinland-Pfalz mit der Region Mittelböhmen in Tschechien führte zu einem ähnlich gelagerten Abkommen zwischen dem LBZ und der "Mittelböhmischen Bibliothek" in Kladno im Frühjahr 2009. Zu beiden Bibliotheken besteht seit der Vertragsunterzeichnung ständiger Kontakt. In der Regel besucht man sich jedes zweite Jahr.

Zu Beginn des Besuchs informierten sich die Gäste aus Polen und Tschechien über neue Projekte des Landesbibliothekszentrums / Rheinische Landesbibliothek in Koblenz. Bei einer Besichtigungsfahrt zu zwei der modernsten Bibliotheken des Landes, den Stadtbibliotheken Ludwigshafen und Ingelheim erhielten sie einen Einblick in aktuelle Bibliothekskonzepte wie die Selbstverbuchung ausgeliehener Bücher und den sogenannten "Makerspace" in Ludwigshafen, einem Raum für kreatives Gestalten und Arbeiten. Beide Einrichtungen sehen sich als Kommunikationszentren für die Bürgerinnen und Bürger und stellen die Funktion der Bibliothek als "Dritten Ort", einem öffentlichen Treffpunkt für alle Bevölkerungsgruppen in den Focus ihrer Arbeit.

Am folgenden Kolloquium zum Thema "Digitale Services von Regionalbibliotheken" im LBZ in Koblenz nahmen dann neben den Gästen aus Opole und Kladno auch interessierte Fachkolleginnen und Kollegen aus verschiedenen rheinland-pfälzischen Bibliotheken und aus Bibliotheken der Nachbarbundesländer teil.

Dr. Kai-Michael Sprenger, Referent im Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur stellte den Sachstand und die Zukunftspläne zur Digitalisierung des kulturellen Erbes in Rheinland-Pfalz vor. Die wichtigsten E-Angebote des LBZ, das Digitalisierungsportal dilibri und die Onleihe wurden von Christoph Mayr (LBZ) präsentiert. Im Anschluss stand dann die Digitale Pflicht und die Website-Archivierung in Rheinland-Pfalz mit Referent Lars Jendral (LBZ) im Mittelpunkt.

Vergleiche mit den Partnerländern boten sich an: Eva Recmanova, Stellvertretende Leiterin der Mittelböhmischen Wissenschaftlichen Bibliothek in Kladno, stellte die Digitalisierungsaktivitäten ihrer Einrichtung vor. So werden vor Ort durch die Regionalbibliothek auch die Bestände kleinerer Bibliotheken in der Region kostenlos digitalisiert und so der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Portale und Services im digitalen Umfeld in Polen erläuterte Malgorzata Pindera in einem interessanten Vortrag am Beispiel der Öffentlichen Woiwodschaftsbibliothek in Opole. Hier engagiert man sich massiv im Bereich Social Media, betreibt verschiedene Blogs und ist bei Facebook, Twitter, Instagram und Pinterest aktiv.

Für die Zukunft, so kamen die Partner aus den Regionen in Tschechien und Polen und des LBZ Rheinland-Pfalz am Ende des Besuchs überein, soll die Zusammenarbeit engagiert weiter betrieben werden. So ist bereits ein weiteres Kolloquium zum fachlichen Austausch für 2019 in Kladno geplant. Dabei sollen die Nutzung von Social Media in der Öffentlichkeitsarbeit und neue Ideen im Bereich der Leseförderung im Mittelpunkt stehen. Geplant ist auch der weitere Austausch von Ausstellungen. Diskutiert wurde zudem der Austausch von Kolleginnen und Kollegen für Praktika in den Partnerbibliotheken.