„Von der „Reichsausstellung Deutscher Wein“ in Koblenz zum Berliner „Reichsausschuss für Weinpropaganda“: Vortrag am 18. Januar in Koblenz

Wie der heimische Rebensaft den Nationalstolz in der Weimarer Republik fördern sollte. Christof Krieger hält am 18. Januar um 19 Uhr einen Vortrag im Landesbibliothekszentrum / Rheinische Landesbibliothek in Koblenz.

Koblenz. Ein kaum bekanntes besonderes Kapital der Geschichte unseres Landes zwischen Rhein und Mosel schlägt Christof Krieger in seinem Vortrag „Von der „Reichsausstellung Deutscher Wein“ in Koblenz zum Berliner „Reichsausschuss für Weinpropaganda“ am Donnerstag, 18. Januar um 19 Uhr im LBZ / Rheinische Landesbibliothek auf: Die von politischen Umbrüchen geprägte und auch für den Weinbau der Region wirtschaftlich schwierige Zeit Mitte der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts vor dem Hintergrund der Rheinlandbesetzung ist Thema.

Vom 8. August bis 13. September 1925 fand in Koblenz die „schönste und reichhaltigste Ausstellung, die der deutsche Wein je gesehen hat“ statt: Innerhalb von fünf Wochen lockte die „Reichsausstellung Deutscher Wein“ zehntausende Besucher in die Rhein-Mosel-Stadt. Dabei galt das gewaltige Propagandaspektakel keineswegs primär der Werbung für den heimischen Wein, der zu dieser Zeit unter einer verheerenden Absatzkrise litt: Vielmehr war die Ausstellung Teil einer patriotischen Veranstaltungsreihe, die im kaum verhüllenden Mantel historischer Gedenkfeiern als ostentative Demonstration unverbrüchlicher Treue des besetzten linksrheinischen Gebiets zu Deutschtum und Reich gedacht war. Doch während man seitens der Politik und der Behörden mit nie dagewesenem Aufwand der 2000jährigen Geschichte des heimischen Rebenanbaues huldigte, verschärfte sich die Not in den westlichen Weinanbaugebieten beinah täglich: Wenige Monate nach der Ausstellung stürmten verzweifelte Menschen das Bernkasteler Finanzamt und verbrannten die Steuerunterlagen.

Den brennenden Akten gelang schlagartig, was Dutzenden von Nottelegrammen, Bittbriefen und schriftlichen Resolutionen versagt geblieben war: Eineinhalb Millionen Reichsmark – nach heutigem Geldwert annähernd 20 Millionen Euro- stellte die Reichsregierung daraufhin kurzfristig bereit, um binnen nur eines Jahres den Absatz deutscher Rebenerzeugnisse anzukurbeln. Zur Vergabe dieser Gelder wurde in Berlin eigens ein „Reichsausschuss für Weinpropaganda“ ins Leben gerufen, der unter dem Slogan „Trinkt deutschen Wein!“ den bis dahin gewaltigsten Werbefeldzug für den heimischen Rebensaft entfachte.


Über den Autor:
Christof Krieger ist Leiter des Mittelmosel-Museums in der einstigen Weinhandelsmetropole Traben-Trarbach. In seiner Doktorarbeit an der Universität Trier beschäftigte er sich mit der staatlichen Weinpropaganda der 1920er und 1930er Jahre. Sein Vortrag gibt anhand bisher unveröffentlichter Quellen überraschende Einblicke in die Zeit.


Thema der Veranstaltung: „Von der „Reichsausstellung Deutscher Wein“ in Koblenz zum Berliner „Reichsausschuss für Weinpropaganda“. Vortrag von Dr. des. Christof Krieger
Termin: Donnerstag, 18. Januar 2018, 19 Uhr
Ort: Landesbibliothekszentrum / Rheinische Landesbibliothek, Koblenz

Der Eintritt ist frei