Jubiläum kurz vor Weihnachten: Die Landesbüchereistelle in Koblenz wird 70

Koblenz. Vom Bibliotheksaufbau bis zur „Bücherei 2025“. Wer den Krieg überstanden hatte, dachte heute vor 70 Jahren nur an eines: Wie bringe ich meine Familie über die nächsten Wochen und Monate? Bücher und Zeitungen dienten höchstens als Brennmaterial.


Doch die Frauen und Männer der ersten Stunde im kaum zwei Jahre alten Bundesland Rheinland-Pfalz dachten an die Zukunft: Staat und Wirtschaft sollten wieder aufgebaut, Schulen und Universitäten ihre Arbeit aufnehmen. Für den notwendigen Wissenstransfer musste ein Bindeglied neu erstellt werden oder vielerorts sogar neu entstehen: Die Bibliothek. Für den Norden des Landes wurde deshalb genau vor 70 Jahren, am 14. Dezember 1948, die heutige Landesbüchereistelle als „Staatliche Landesfachstelle für Büchereiwesen Rheinland-Pfalz“ in Koblenz gegründet.

Untergebracht war sie zunächst in der „Alten Burg“, später im „Görreshaus“. Heute ist sie Teil des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz (LBZ) und hat ihren Standort am Hauptbahnhof. Ihre Hauptaufgabe: Die Bibliotheken und deren Träger im Norden des Landes beim Aufbau, der Einrichtung und dem Betrieb von Bibliotheken zu beraten und zu unterstützen. 

Dabei war der Anfang alles andere als einfach: Wie im Rest Deutschlands lagen auch in Rheinland-Pfalz die Büchereien und Bibliotheken am Boden, Bestände waren zerstört, oder in alle Winde zerstreut. So ging es zunächst einmal darum, vorhandene Bibliotheken zu reorganisieren, neue Bibliotheken zu gründen und überhaupt passende Bücher für die Ausleihe zu finden.

Seit damals haben sich die Anforderungen an die Arbeit der Landesbüchereistelle stark gewandelt. „Heute stehen Themen wie Sprach- und Leseförderung, die Kooperation mit anderen Bildungspartnern sowie die Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz im Focus unserer Arbeit“, so Günter Pflaum, Leiter des Fachbereichs Landesbüchereistelle im LBZ. „Dazu kommt ganz verstärkt auch die Arbeit mit den digitalen Medien und Services“. Rheinland-Pfalz sei das Bundesland mit dem höchsten Anteil ehren- und nebenamtlicher Bibliotheken, ergänzt Pflaum. „Gerade für die kleinen Bibliotheken ist die Unterstützung der Landesbüchereistelle unverzichtbar.“

Neben der Beratung als Kernaufgabe gewinnen die zentralen Dienstleistungen, die alle Bibliotheken im ganzen Land nutzen können, immer mehr an Bedeutung. Das Angebot ist vielfältig: So steht ein schon vor 20 Jahren aufgebauter Internet-Bibliothekskatalog zur Verfügung, dazu kommen beispielsweise landesweite Fortbildungsprogramme mit an die 80 Veranstaltungen im Jahr. Mittlerweile auch unverzichtbar für die Arbeit vor Ort: Der ab 2010 aufgebaute Onleihe-Bibliotheksverbund mit circa 90 000 digitalen Medien. Enorm wichtig auch die Ergänzungsbücherei mit ca. 150 000 Büchern und Medien, das Förderprogramm „Leseecken für Ganztagsschulen“ oder das Stufenprogramm zur Sprach- und Leseförderung mit dem seit vielen Jahren erfolgreichen „Lesesommer“.

Insbesondere nach der Gründung des LBZ im Jahre 2004 wurden die zentralen Dienstleistungen verstärkt ausgebaut und neben den Landesbibliotheken auch die beiden Büchereistellen in Koblenz und Neustadt/Weinstraße zusammengeführt. „Wir konnten so die Kräfte bündeln und unseren Service im Land immer weiter ausbauen“, betont die Leiterin des LBZ, Dr. Annette Gerlach. Besonders in der Sprach- und Leseförderung gehöre die Landesbüchereistelle bundesweit zu den führenden Einrichtungen. Das Stufenprogramm umfasst mittlerweile 12 Sprach- und Lesefördermodule für alle Altersgruppen von 0 – 16 Jahren und Senioren.

Auch in Zeiten des Internets bleibt die Landesbüchereistelle präsent: Sie fördert den Einsatz digitaler Medien in den Bibliotheken. So können die Bürgerinnen und Bürger seit Anfang des Jahres e-Learning-Kurse zum Sprachenlernen oder für EDV-Themen über die Onleihe Rheinland-Pfalz nutzen. Mit den neuesten Angeboten der Ergänzungsbücherei wie „Tonies“ (digitale Hörbücher), Tablet-Koffern mit Apps zur Sprach- und Leseförderung und den noch im Aufbau befindlichen mobilen „Makerspace-Koffern“ (zum kreativen Mit- und Selbermachen) sollen die Bibliotheken darüber hinaus unterstützt werden, neue digitale Medien für ihre Kunden auszuprobieren und in ihre Bibliotheksarbeit zu integrieren.

Die Landesbüchereistelle im LBZ ist heute in vielen Bereichen Motor für die Bibliotheksentwicklung im Land – und das soll auch in Zukunft so bleiben: In den kommenden Jahren ist geplant, im Rahmen der Digitalstrategie des Landes ein völlig neues Informations- und Lernportal aufzubauen. Zudem wird mit ehren- und nebenamtlichen Bibliotheken ab April 2019 das Projekt „Bücherei 2025“ zur Entwicklung von Zukunftskonzepten für die Bibliotheksarbeit veranstaltet. Und schon jetzt laufen die Vorbereitungen für den Lesesommer 2019 und den Schulbibliothekstag am 18. September 2019 an der Universität Koblenz-Landau am Standort Koblenz.