Freier Zugang zu alten Drucken in dilibri Rheinland-Pfalz

Die „Chronica der freyen Reichs-Stadt Speier“ des Juristen und Historikers Christoph Lehmann ist ein grundlegendes Quellenwerk zur Speyerer Stadtgeschichte. Die Ausgaben von 1611, 1662 und 1711 aus dem Bestand des Landesbibliothekszentrums / Pfälzische Landesbibliothek sind nun ohne Beschränkung einsehbar im rheinland-pfälzischen Digitalisierungsportal dilibri.

Ebenfalls in dilibri zu finden sind zwei kostbare 1698 bzw. 1765 in Koblenz erschienene Werke mit dem Titel "Coblentzer Wahlfahrt", die die Wallfahrt der Koblenzer Matthiasbruderschaft mit allen Standorten beschreiben. Seit dem 12. Jahrhundert pilgerten die Matthiasbruderschaften zum Grab des Apostels Matthias nach Trier. Diese mittelalterliche Wallfahrtstradition ist heute immer noch lebendig.

Ermöglicht wurde dies durch ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Digitalisierungsprojekt. Unter Federführung der Universitätsbibliothek Trier stellten im Sommer 2009 acht rheinland-pfälzische Bibliotheken bei der DFG einen gemeinsamen Antrag auf finanzielle Beihilfe für die Digitalisierung aller im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 16. und 17. Jahrhunderts und ausgewählter Drucke des 18. Jahrhunderts aus ihrem  Bestand. Die für die Digitalisierung in Frage kommenden Drucke sollten nicht bereits in anderen Digitalisierungsvorhaben gescannt worden oder dort zur Digitalisierung vorgesehen sein.

Nach positivem Bescheid seitens der DFG wurde zu Beginn des Jahres 2010 mit der Abstimmungsphase zwischen den Projektteilnehmern für dieses anspruchsvolle kooperative Vorhaben begonnen. Projektteilnehmer waren neben der Universitätsbibliothek Trier die Stadtbibliotheken in Koblenz, Trier und Worms, die Bibliothek des Priesterseminars Trier und das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz (LBZ) mit seinen drei Bibliotheken Bibliotheca Bipontina Zweibrücken, Pfälzische Landesbibliothek Speyer, Rheinische Landesbibliothek Koblenz.

Für die Durchführung des DFG-Digitalisierungsprojektes erwies sich die bereits seit 2007 vom LBZ entwickelte und gepflegte Digitalisierungsplattform dilibri als extrem hilfreich. Dilibri ist die digitalisierte Sammlung von landeskundlichen Werken zu Rheinland-Pfalz sowie von Beständen aus rheinland-pfälzischen Bibliotheken. Eine Erweiterung der dilibri-Plattform für die Umsetzung der DFG-Anforderungen war problemlos möglich.

Da nicht alle am Projekt teilnehmenden Bibliotheken über die notwendige technische Infrastruktur verfügten, wurde das Scannen und Bearbeiten der Dateien vornehmlich in der Universitätsbibliothek Trier und in den beiden LBZ-Standorten Speyer und Koblenz vorgenommen.

Das im August 2010 offiziell gestartete Projekt konnte zwei Jahre später planungsgemäß und mit Erfolg abgeschlossen werden. In diesem Zeitraum wurden knapp 2.300 Werke mit mehr als 400.000 Einzelscans in dilibri kostenfrei bereitgestellt. Auf das 16. Jahrhundert entfallen davon ca. 750 Werke, auf das 17. Jahrhundert 1.000 Werke und 450 Werke stammen aus dem 18. Jahrhundert.

„Es war uns ein großes Anliegen, dass wir nun teilweise bislang unerschlossene Werke des 16., 17. und 18. Jahrhunderts kostenfrei und auf unkompliziertem Wege für die Wissenschaft und auch für eine interessierte Öffentlichkeit zugänglich machen können“, führt der Koordinator des DFG-Projektes Dr. Hans-Ulrich Seifert von der Universitätsbibliothek Trier aus.
Als Beispiele seien hier genannt das farbenfrohe Turnierbuch von Georg Rüxner, 1532 in Simmern in der Druckerei des Pfalzgrafen gedruckt, schön ausgestattete Messbücher (z.B. das Missale Trevirense) oder Ausgaben der „Chronica Der Freyen Reichs-Statt Speyer“.

Nach dem Abschluss des DFG-Projektes bleibt das Digitalisierungsportal dilibri weiterhin die digitalisierte Sammlung von landeskundlichen Werken zu Rheinland-Pfalz. So sind in dilibri aktuell mehr als 4.400 Objekte von der Einblatt-Karte bis zur 17-bändigen Zeitschrift mit etwa 720.000 gescannten Seiten einzusehen. Neben den beliebten Adressbüchern wird auf der Plattform auch auf die digitalisierten Karten und die Illustrationswerke sowie auf die landesgeschichtliche Literatur gerne zugegriffen.

Für die Betreiber von dilibri ist die Kooperation mit weiteren Bibliotheken, Archiven und auch historischen Vereinen wichtig, wie der dilibri-Verantwortliche Elmar Schackmann (LBZ) betont. Denn diese stellen häufig singuläre Objekte aus ihrem Besitz für die Veröffentlichung in dilibri zur Verfügung. Der Fokus der Digitalisierungsplattform wird in unmittelbarer Zukunft stark auf der Digitalisierung von landeskundlichen Beständen aus rheinland-pfälzischen Bibliotheken liegen.