17. Mai: „Krieg über Gräbern“ Vortrag von Prof. Dr. Schmid im LBZ Koblenz

Bismarcks Kampf gegen die Katholische Kirche - Wie der „Kulturkampf“ auch im Raum Koblenz geführt wurde: Vortrag in der Rheinischen Landesbibliothek.

Koblenz. Wer heute vom Gegensatz von Staat und Religion spricht, denkt oft an Grundgesetz und radikalen Islam. Aber über den Einfluss und die Rolle der Religion und der Kirche wurde in den neuen Nationalstaaten in Europa schon im 19. Jahrhundert gestritten – besonders heftig im kaiserlichen Deutschland nach der Reichsgründung 1871. Im sogenannten „Kulturkampf“ standen sich katholische Kirche und der preußisch-protestantische Staat lange unversöhnlich gegenüber. Dabei war neben dem Streit um Mischehen, konfessionelle Schulen, Prozessionen und Wallfahrten auch die Friedhofsfrage ein zentrales Schlachtfeld. Der „Krieg über Gräbern“ im Raum Koblenz steht auch  am Donnerstag, 17. Mai 2018 um 19 Uhr im Mittelpunkt des Vortrags von Prof. Dr. Wolfgang Schmid im Landesbibliothekszentrum / Rheinische Landesbibliothek (LBZ).

Während für die katholische Kirche ein Friedhof ein geheiligter Ort war, der durch die Beerdigung von „Ketzerleichen“ anderer Religionsgemeinschaften entweiht wurde, war er für den preußischen Staat eher ein Platz, an dem gesundheitspolizeiliche Vorschriften umgesetzt werden mussten. Da sich die Rechtslage (Allgemeines Landrecht, Code Civil) hier kompliziert und nicht eindeutig darstellte und sich einige Friedhöfe im Besitz der Kirchengemeinde befanden, andere aber zur jeweiligen Kommune gehörten , gab es in den Regierungsbezirken Trier und Koblenz eine Vielzahl von Konflikten wie den Simmerner Friedhofsstreit, die in der Zeit zwischen 1900 und 1910 eskalierten.

Aus dem heutigen Blickwinkel ist beispielsweise der Koblenzer Hauptfriedhof nicht nur eine großartige Sammlung von Dokumenten zur Stadtgeschichte, sondern auch ein Ort der Einkehr. Nicht so vor mehr als hundert Jahren: Hier eskalierten die Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten. Während die Katholiken an dem für sie heiligen Ort unter sich bleiben wollten, bestanden die Protestanten auf einem Begräbnis in der Reihe, um zu demonstrieren, dass sie gleichberechtigte Mitbürger waren. So gab es in den überwiegend katholischen Dörfern in der Region zahlreiche Auseinandersetzungen. Sie weisen erstaunliche Parallelen zu aktuellen Diskussionen über den Umgang mit Zuwanderern mit einer anderen Konfession auf.

 
Thema der Veranstaltung: Vortrag „Krieg über Gräbern. Die Friedhofsfrage im Kulturkampf im Raum Koblenz“
Termin: Donnerstag, 17. Mai 2018, 19 Uhr
Ort: Landesbibliothekszentrum / Rheinische Landesbibliothek, Bahnhofplatz 14, 56068 Koblenz
Bildnachweis: Friedhofsmotiv Prof. Dr. Wolfgang Schmid

Der Eintritt ist frei