Nach der Rettung aus der Flut: Berühmtes “Seelenbuch” der Bürgerschützen Ahrweiler weltweit digital verfügbar

Rheinland-Pfalz/Bad Neuenahr-Ahrweiler. Viele Menschen starben, Häuser und Infrastruktur wurden zerstört: Die Flut im Ahrtal im letzten Jahr hinterließ eine breite Spur der Verwüstung. Betroffen auch Kulturgut, Bibliotheken, Archive und das Schützenmuseum Ahrweiler. Durch den Schlamm schwer beschädigt wurde dabei das in Teilen aus dem 15. Jahrhundert stammende „Seelenbuch“ der St.Sebastiani Bürgerschützen.

Mit Hilfe der Landesstelle Bestandserhaltung in Rheinland-Pfalz, die im Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz (LBZ) angesiedelt ist und der Unterstützung des Kulturministeriums in Mainz konnte die wertvolle historische Quelle gerettet und restauriert werden. Ab jetzt ist sie für jedermann auch im Netz verfügbar – auf dem Digitalisierungsportal „dilibri“ der rheinland-pfälzischen  Bibliotheken, die das LBZ betreut. 

Beim „Seelenbuch“ handelt es sich um ein Mitgliederverzeichnis des Anfang des 15. Jahrhunderts gegründeten Schützenvereins. Es besteht aus zwei Handschriften, ein älteres Buch aus den Anfangszeiten (überarbeitet Mitte des 17. Jahrhunderts) und ein zweites von 1803. Jedes neue Mitglied – bis ins 19. Jahrhundert auch Frauen – trug sich in das Verzeichnis ein. Bis heute werden die „Mitgliederlisten“ in alter Tradition weitergeführt. Damit ist das „Seelenbuch“ nicht allein ein Andenken an die Tradition der Bürgerschützen sondern auch eine wertvolle und spannende Quelle für Historiker allgemein und Heimatforscher für die Region Ahrweiler im Besonderen. Die digitalen Abbildungen in „dilibri“ werden durch eine Transkription ergänzt, die der Historiker Hans Georg Klein für eine Festschrift zum Vereinsjubiläum 2003 erstellt hatte. 

Dass die Handschriften überhaupt gerettet wurden, waren Glück, Zufall und dem schnellen Handeln aller Beteiligten zu verdanken: Nachdem Museumsleiter Werne Kathe das „Seelenbuch“ wenige Tage nach der Flut aus dem Schlamm geborgen hatte, bekam er Kontakt zur Landesstelle Bestanderhaltung im Landesbibliothekszentrum. Die Experten der Landestelle erkannten schnell, das „Not am Mann“ war und es gelang über die eigenen Netzwerke innerhalb eines Tages einen Transport des Buches in die Hände einer spezialisierten Restauratorin der Firme Schempp in Kornwestheim (Baden-Württemberg) zu organisieren. Hier wurden die Handschriften vom Schmutz befreit und der Papierbuchblock gefriergetrocknet. Es dauerte ein Jahr bevor das Buch nach aufwändigen Arbeiten offiziell durch Kulturministerin Katharina Binz in Mainz wieder der Schützenbruderschaft übergeben werden konnte.  

„Das LBZ ist sehr froh, dass wir bei der Rettung dieser historisch wertvollen Handschriften helfen konnten. Deshalb haben wir die digitale Präsentation des Buches in unserem Digitalisierungsportal übernommen. Dadurch hat die historische Forschung ab sofort zeit- und ortsunabhängig Zugriff auf die interessanten Namenslisten“, so die Leiterin des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz, Dr. Annette Gerlach. Bis man wieder das Original im dann restaurierten Schützenmuseum bewundern könne, werde noch einige Zeit 
vergehen, so Dr. Gerlach. Die Nutzung der Quelle sei aber jetzt zumindest digital möglich. 

In „dilibri“ sind rund 15.000 Werke mit insgesamt 2,2 Millionen Seiten digitalisiert. Die Bestände stammen aus rheinland-pfälzischen Bibliotheken oder werden von Kooperationspartnern wie Archiven, Museen oder auch Heimatvereinen zur Verfügung gestellt. Das Angebot ist kostenfrei nutzbar.