Kulturminister Konrad Wolf: Schriftliches Kulturgut muss bewahrt werden

Koblenz/Mainz. Positive Bilanz für Landesstelle Bestandserhaltung in Rheinland-Pfalz (LBE). Seit drei Jahren schon koordiniert und unterstützt die LBE in Koblenz den Erhalt und Schutz des schriftlichen Kulturgutes im Land und zieht jetzt eine erste positive Bilanz ihrer Arbeit. Im Jahr 2018 war die Landesstelle durch ein Pilotförderprogramm des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur initiiert worden.

Die LBE hat im Rahmen des Förderprogramms knapp 265.000 Euro an Landesmitteln in den letzten zwei Jahren erhalten und konnte damit 36 Archive, Bibliotheken und Museen beim Erhalt und der Rettung wertvoller Bücher, Unterlagen und historischer Schriftstücke unterstützen. Das Programm wird als reguläre Förderung 2021 fortgesetzt.

„Schriftliches Kulturgut ist ein unverzichtbarer Teil unseres kulturellen Gedächtnisses und damit sinn- und identitätsstiftend für die Gesellschaft. Wir müssen unsere Schätze bewahren. Die Digitalisierung der Bestände ist ein wichtiger Teil des Bestanderhalts. Klar ist aber auch, dass das Original durch nichts zu ersetzen ist“, so Kulturminister Konrad Wolf über die Bedeutung schriftlicher Quellen. Wolf weiter: „Die Landesregierung setzt sich daher sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene für den Erhalt dieser wertvollen Quellen ein. Sie bilden einen wichtigen Baustein für unser kulturelles Gedächtnis. Die Landesstelle spielt hierbei als zentrale Stelle für die Erhaltungsmaßnahmen eine wichtige Rolle und fungiert als zentrale Ansprechpartnerin. Im aktuellen Haushalt haben wir für die weitere Arbeit daher auch 200.000 Euro vorgesehen“.

Ziel des LBE ist es betroffene Archive, Museen und Bibliotheken finanziell zu fördern, zu beraten und Empfehlungen zur Bestandserhaltung zu geben. Gleichzeitig sensibilisiert die LBE die Öffentlichkeit für das Thema der Gefährdung historischer Bestände. In den Jahren 2017-2019 waren Landesmittel für zentrale Projekte, wie etwa die Reinigung der Bestände und die Bereitstellung von Verpackungsmaterialien für viele Einrichtungen eingesetzt worden. Mit dem Beginn des Pilotprogramms und der Gründung der Landesstelle wurden die Maßnahmen gebündelt.
Bei ihrer Arbeit wird die Landesstelle seit 2019 von einem Expertengremium unterstützt. Die Position der 1. Vorsitzenden hat Dr. Elsbeth Andre, Direktorin der Landesarchivverwaltung übernommen. Die Aufgabe der Landesstelle Bestandserhaltung besteht in der Umsetzung der Landeskonzeption Bestanderhaltung und der fachlichen Begleitung der Fördermaßnahmen.

Die Gefahren für das schriftliche Kulturgut sind zahlreich: Sie reichen von unsachgemäßer Lagerung der Bestände über Tintenfraß, säurebedingten Papierzerfall und der Zerstörung durch Schimmel, Bakterien, Nager oder sonstige Schädlinge.

Beispielhaft für die Unterstützung der Arbeit vor Ort können unter vielen anderen das Stadtarchiv Cochem, die Bibliothek der Zisterzienserabtei Marienstatt bei Streithausen im Westerwald und das Historische Museum der Pfalz in Speyer genannt werden.

So konnten in Cochem Verwaltungsakten beginnend mit dem 18. Jahrhundert und Zeitungsbestände ab 1845 sicher in neue Archivboxen verpackt und auf Stahlregalen gelagert werden. Im Kloster Marienstatt konnten ein Rechnungsbuch aus dem Jahr 1689, in dem die Besitzungen des Klosters nach Orten aufgeführt sind, ein Brevier von 1684 von hohem historischen Wert mit Eintragungen des Abts Benedikt Bach (1688-1720) und ein prächtiges Kartenwerk des Geographen Abraham Ortelius von 1602 restauriert werden. Bei allen Objekten ließ der schlechte Erhaltungszustand vor der Restaurierung eine Nutzung nicht zu. Im Historischen Museum der Pfalz wurden die Landesmittel eingesetzt, um ausgewählte speyerische Hofkalender aus dem 18. Jahrhundert, sowie Bauernkalender aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu restaurieren.